Donnerstag, 28. Juli 2016

Ein großer Teil der Antwort würde viele Arbeitnehmer beunruhigen. Zur Frage nach dem Sinn einer weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalters

Von Stefan Sell
Wir erinnern uns alle noch an die Auseinandersetzung über die "Rente mit 67", die vielen Proteste dagegen und die dann dennoch erfolgte Verabschiedung durch die alte große Koalition. Der damalige sozialdemokratische Bundesarbeitsminister Franz Müntefering war es gewesen, der das vorangetrieben hat - immer natürlich mit Hinweis auf "die" demografische Entwicklung, die einem gar keine andere Wahl lässt als den Weg einer Verlängerung des Erwerbsarbeitslebens zu gehen. Und nun wird von Monat zu Monat das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise angehoben, bis dass der - nicht zufälligerweise geburtenstärkste - Jahrgang 1964 voll von der dann neuen Regelaltersgrenze 67 betroffen sein wird. Auch die im Zuge des "Rentenpakets 2014" eingeführte abschlagsfreie "Rente mit 63" ist nur eine temporäre Unterbrechung für diejenigen, die die Voraussetzungen erfüllen und außerdem wächst die Altersgrenze schrittweise auf 65 mit. Die Rente mit 67 ist nicht abgeschafft worden, sondern Realität. Aber offensichtlich reicht das einigen nun immer noch nicht. Da geht offensichtlich in den Köpfen noch mehr.

Und wie bekommt man das in die Köpfe des überwiegend sehr unwilligen Publikums? Man schickt seine Wissenschaftler-Truppen nach vorne. Dann kommt so etwas dabei heraus:
»Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) plädiert für eine weitere Heraufsetzung des Rentenalters ... Nur durch längeres Arbeiten könnten steigende Rentenbeiträge und ein sinkendes Rentenniveau vermieden werden, sagte IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt der „Bild“-Zeitung. „Wenn nicht stärker privat und betrieblich vorgesorgt wird, müsste das Eintrittsalter weiter erhöht werden: bis 2030 auf 69 Jahre und bis 2041 auf 73 Jahre«, kann man dem Artikel IW fordert Rente mit 73 entnehmen.
Orchestriert wird diese unangenehme Botschaft mit einem Hinweis auf die Entwicklung der Rentenlaufzeiten im Kontext der steigenden Lebenserwartung. Und das scheint prima facie ein bestechendes Argument: Lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer in den alten Bundesländern in 1960 noch bei 9,9 Jahren für Männer respektive 10,6 Jahren für Frauen, erhielten im Jahr 2014 Männer im Durchschnitt 19,3 Jahre eine Rente, Frauen 21,4 Jahre. Auch dadurch stieg die Zahl der Rentner insgesamt an. 2014 lag der Rentenbestand in Westdeutschland bei 20,2 Millionen – 1960 nur bei 7,9 Millionen, berichtet die Deutschen Rentenversicherung (DRV). Da liegt es doch eigentlich nahe, dass man das gesetzliche Renteneintrittsalter anheben muss, denn die Versicherten können doch was von ihrer steigenden Lebenserwartung abgeben, ansonsten wird die umlagefinanzierte Rentenversicherung überfordert. So scheinbar plausibel die grundlegende Argumentationslinie.

Aber wie kommen die beim IW nun gerade auf 69 bzw. 73 Jahre? Am besten schaut man beim IW direkt vorbei. Und dort findet man unter der Überschrift Wie lange arbeiten für ein stabiles Rentenniveau? den Hinweis, dass man dort ein "Gedankenexperiment" gemacht hat.

Dieses "Gedankenexperiment" schauen wir uns mal genauer an:

Das Renteneintrittsalter könnte so weit nach hinten verschoben werden, dass das Größenverhältnis zwischen Erwerbstätigen- und der Rentnergeneration konstant bliebe. Dann würde der Nachhaltigkeitsfaktor keine Senkung des Rentenniveaus bewirken. Wäre es also möglich, beides zu haben – keine Beitragssatzsteigerung und ein stabiles Rentenniveau – und dafür ein bisschen länger zu arbeiten? Aber wie viel wäre „ein bisschen“?

»Würde sich das Größenverhältnis zwischen der Erwerbstätigen- und der Rentnergeneration nicht ändern, könnte das Rentenniveau mindestens gehalten werden oder sich sogar verbessern – vorausgesetzt, die wirtschaftlichen Bedingungen und damit die Lohnentwicklung blieben weiterhin günstig. Wie hoch müsste in diesem Fall die Regelaltersgrenze gesetzt werden?«, fragt Susanne Kochskämper vom IW.

Für die Berechnungen haben die Arbeitgeber-Wissenschaftler die Daten der Deutschen Rentenversicherung und die der Variante 1 der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes herangezogen.
Detailliert nachlesen kann man das Vorgehen und die Ergebnisse in dieser Veröffentlichung:
Susanna Kochskämper: Gesetzliche Rentenversicherung – Wie lange arbeiten für ein gesetzliches Rentenniveau? IW-Kurzberichte 27/ 2016, Köln 2016 
Man muss sich in aller Ruhe vor Augen führen, auf welchen Annahmen das "Gedankenexperiment" basiert und in einem zweiten Schritt berücksichtigen, auf welchen Datengrundlagen dann die Berechnungen gemacht wurden.
Die Bedeutung der Annahmen in Verbindung mit den Daten, auf die man im IW zurückgegriffen hat, verdeutlicht der folgende Passus aus dem Beitrag Wie lange arbeiten für ein stabiles Rentenniveau? von Susanne Kochskämper:
»Vereinfacht angenommen wird, dass 75 Prozent jeder Altersgruppe in der Gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind – dies entspricht in etwa dem Anteil der 20- bis 54-jährigen gesetzlich Rentenversicherten in 2013 an der Gesamtbevölkerung in der entsprechenden Altersgruppe. Betrachtet werden das Erwerbspersonenpotenzial – alle Personen zwischen 20 und dem Renteneintrittsalter – und die potentiellen Rentner, also alle Personen ab Renteneintrittsalter. Damit wird von der künftigen Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung abstrahiert und der Anteil der in der Gesetzlichen Rentenversicherung Versicherten an der Gesamtbevölkerung konstant gehalten. Abstrahiert wird außerdem zunächst von Frühverrentung und Beschäftigung jenseits der Regelaltersgrenze.«
»Für 2013 ergibt sich so ein errechneter Rentnerquotient r – das Verhältnis von potenziellen Rentnern zu potenziell Erwerbstätigen – von etwa 34 Prozent, das heißt: Knapp drei Personen im Erwerbsalter kommen auf einen Rentner. Soll dieser Quotient in den nächsten Jahrzehnten höchsten mit einem Prozentpunkt überschritten werden dürfen, müsste das Renteneintrittsalter stark ansteigen (siehe Abbildung): Liegt es in 2015 bei 65 Jahren, müsste es in 2030 bei 69 und in 2035 bereits bei 71 Jahren liegen. Ab 2041 könnte es dann bei 73 Jahren konstant gehalten werden.«
Alles klar? Die Annahmen sind natürlich arg konstruiert.

Aber der hier entscheidende Kritikpunkt an den in die Welt gesetzten Zahlen des IW bezieht sich auf die verwendeten Daten der Variante 1 der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, die 2015 veröffentlicht worden ist. Nun muss man wissen, dass die Statistiker insgesamt acht Varianten gerechnet haben, mit denen unterschiedliche Ausprägungen der die demografischen Entwicklung bestimmenden Faktoren (also Lebenserwartung, Geburtenrate und Wanderungssaldo) berücksichtigt werden sollen.
Und wie beschreiben die Statistiker die vom IW gewählte Variante?
»Variante 1: Kontinuität bei schwächerer Zuwanderung«, so nennen die das. Darin enthalten eine ganz wichtige - und sicher für jeden erkennbar mehr als diskussionsbedürftige - Annahme eines langfristigen Wanderungssaldos von 100.000 pro Jahr. Wie kann man ernsthaft im Jahr 2016 eine Berechnung vorlegen, die auf nur einer und dann auch noch äußerst fragwürdigen Variante einer an sich mehr als fragwürdigen Bevölkerungsvorausberechnung angesichts der prognostischen Unsicherheiten beruht? Das ist wissenschaftlich gesehen schon mehr als mutig.

Man könnte durchaus auf die Idee kommen, dass man die Variante 1 der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung nicht ohne Hintergedanken für das "Gedankenexperiment" in Anspruch genommen hat.

Aber zurück zu dem eigentlichen Ziel des IW. Das kann man diesen Hinweisen von Kochskämper entnehmen:
»Zwar ist die hier angestellte Rechnung stark vereinfacht und abstrahiert von der Entwicklung der sozialversicherungspflichten Beschäftigung. Deutlich wird aber, dass die demografische Entwicklung keinen großen Handlungsspielraum lässt. Ein stabiles Rentenniveau in der Gesetzlichen Rentenversicherung bei gleichbleibender Beitragsbelastung lässt sich nur mit einem starken Anheben der Regelaltersgrenze verwirklichen.«
Nun weiß auch das IW um die enormen Widerstände, die solche Jahreszahlen bei den normalen Menschen auslösen werden. Und kommt dann folgerichtig zum eigentlichen Anliegen des Vorstoßes:
»Soll die Regelaltersgrenze also nicht extrem ansteigen, bleibt nur eine Kombination aus beidem: ein höheres Renteneintrittsalter und ein Absenken des allgemeinen Rentenniveaus.«
Das also ist das eigentliche Ziel. Strategisch gut gemacht - man wirft unrealistische Renteneintrittsalter in den Raum, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzen, um dann in einem zweiten Schritt scheinbar nachzugeben und eine geringere Erhöhung des Renteneintrittsalters zu bekommen, was von Anfang an auch so geplant ist. Und von Widerstand gegen die bereits vollzogene Anhebung auf 67 mit all den daran geknüpften Folgen für die Versicherten ist dann auch keine Rede mehr, weil man sich aufgerieben hat in der scheinbar erfolgreichen Abwehr gegen eine nochmalige Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters.

Selbst die Schreibtischarbeiter des IW sollten wissen, dass es Millionen Beschäftigten gar nicht gelingen kann, bis 67, geschweige denn 69 oder gar 73 durchzuhalten. Jeder, der offenen Auges durch die Arbeitswelt wandert, wird sich dem nicht verschließen können. Warum dann aber immer wieder dieses Herumreiten auf ein höheres Renteneintrittsalter?

In dem bereits aufgerufenen Artikel IW fordert Rente mit 73 wird dazu Hans-Jürgen Urban vom Vorstand der IG Metall kurz und präzise zitiert:
„Bekanntlich führt die Anhebung der Regelaltersgrenze nicht zu einem längeren Verbleib in den Betrieben, sondern zu drastischen Rentenkürzungen.“
Und genau darum geht es, denn mit den Abschlägen bei einem vorzeitigen Rentenbezug wird die Rentenversicherung natürlich auch "entlastet".

Und wenn man etwas länger nachdenkt, dann sollte den Arbeitnehmern klar werden, dass es sich bei den immer wieder vorgetragenen und von vielen Medien wiedergekäuten Argument, "die" Lebenserwartung steige doch kontinuierlich und "wir" beziehen immer länger Rente, also könne "man" doch auch etwas länger arbeiten, um ein überaus vergiftetes Argument handelt.
Dazu bereits die Hinweise in meinem Blog-Beitrag Rente mit 70(+)? Warum die scheinbar logische Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung unsinnig ist und soziale Schieflagen potenziert vom 22. April 2016.
Dort wurde herausgearbeitet, dass die schematische Erhöhung des Renteneintrittsalters für bestimmte Menschen ein doppelter Schlag ins Gesicht wäre. Zum einen haben wir eine erhebliche Spannweite der Lebenserwartung dergestalt, dass die unteren Einkommensgruppen (also die mit den in der Regel eben auch niedrigen Renten) um Jahre kürzer leben als die oberen Einkommensgruppen, die nicht nur höhere Renten bekommen, sondern diese auch länger in Anspruch nehmen können. Und hinzu kommt, dass eine weitere Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters gerade für die unteren Einkommensgruppen eine weitere Rentenkürzung bedeuten würde, denn viele von den Menschen hier arbeiten in Berufen, die man definitiv nicht bis in diese hohen Altersgruppen ausüben kann bzw. man wird vorher von den Arbeitgebern entsorgt und durch andere, jüngere Arbeitskräfte ersetzt und findet dann keine andere Beschäftigung mehr.

Aber um diese Zusammenhänge geht es in Wirklichkeit nicht. Sondern die Aktivitäten des IW und anderer Akteure (man nehme als aktuelles Beispiel den Gastbeitrag von Axel Börsch-Supan und Friedrich Breyer Die fünf großen Irrtümer in der Rentendebatte in der Süddeutschen Zeitung, die mit keiner Zeile darauf hingewiesen hat, wie verstrickt Börsch-Supan mit der deutschen Versicherungswirtschaft ist, die ihn und sein Institut mit erheblichen Geldmitteln sponsort. Das hat Norbert Häring in seinem Blog-Beitrag Wirtschaftsprofessoren als heimliche Lobbyisten der Versicherungsbranche kritisch aufgearbeitet) stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit Aktivitäten der "Gegenseite", wo dazu aufgerufen wird, dass die um die Jahrtausendwende mit dem unter Rot-Grün vollzogenen Paradigmenwechsel in der Alterssicherungspolitik verbundene Absenkung des Rentenniveaus gestoppt und umgekehrt wird. Man kann in diesem Zusammenhang beispielsweise auf die Vorschläge der IG Metall zu einer solidarischen Alterssicherung verweisen, unter denen sich - als Zwischenziel - eine Stabilisierung des Rentenniveaus befindet, was die gesetzlich bereits scharf gestellten weiteren Rentenniveauabsenkungen aufhalten würde.

Dagegen wird jetzt aus unterschiedlichen Richtungen gefeuert. Und im kommenden Jahr, in dem Bundestagswahlen anstehen, wird das noch mal ein paar Nummern heftiger werden. Aber man sollte nicht vergessen, dass es um die Alterssicherung von Millionen Menschen geht, die darauf existenziell angewiesen sind und dass wir zugleich über sehr lange Zeiträume sprechen, wenn es um die Rente und andere Alterssicherungsprodukte geht.

Foto: © 3dkombinat / Fotolia 

Kommentare:

Eberhard Stopp hat gesagt…

Herr Sell hat es treffend beschrieben! Die Mitprofessoren, Scheinwissenschaftler und Lobbyisten der Finanzbranche/ Arbeitgeberverbände blasen zum Angriff. Wobei es im Kern ja um alle Sozialversicherungen geht, die nach amerikanischem Vorbild abgeschafft werden sollen- mit einem Ziel: Mehr Profit. Der so g. demografische Wandel - eine Scheinwissenschaft der Bertelsmannstiftung -L. Mohn lässt grüßen- verbreitet vom Mitprofessor Raffelhüschen, ist ja nur ein Mosaikstein der neoliberalen Ideologie. Die Steigerung der Produktivität, der Deal des Versprechens der Politik die Beitragssätze nur noch zu Lasten der Arbeitnehmer steigen zu lassen, das Lohndumping, Beitragsbemessungsgrenze , und die alternative Lösung - ALLE !! zahlen ein !! – werden nicht mal ansatzweise diskutiert ! Ich glaube auch, dass die Macher sich bewusst sind, dass hier Millionen von Bürgern in Armut, besonders Altersarmut, fallen werden, oder sogar sollen?! Das ganze Prozedere gespickt mit TTIP, Ceta, Abgasen, Volksverdummung durch Medien, Entmachtung der Parlamente, bis hin zur Junckerschen EU - Politik der „Vereinten Staaten von Europa „ , Hauptstadt Washington, zeigt die menschenverachtende Politik in diesem Land. Dabei spielen sogar Parteien mit, die Wörter wie sozial-demokratisch , oder christ-demokratisch im Namen führen, oder die Grünen, die mal Minister in Turnschuhen antreten lies und sich dem Frieden und gegen Atomkraft verschrieben haben. Sollten die wesentlichen Strukturen der Macht, der Parteien- Diktatur, der EU – Diktatur nicht bald verändert werden, was nicht freiwillig geschehen wird, dann gibt es nur noch diese Lösung: Krieg, Bürgerkrieg! Aber vielleicht ist in Washington genau das gewollt? Nato-Truppen an der russischen Grenze stützen diese These. Es gibt eh zu viele Menschen auf der Welt, meinen einige NGO ! Wenn die Völker nicht bald aufwachen und sich weiter von Verbrechern regieren lassen, ist das Ende nah ! E. Stopp

Anonym hat gesagt…

Solange die Sozialversicherung aus dem Faktor Arbeit, sinkender Anteil an der Wertschöpfung,und nicht durch den Faktor Kapital, steigender Anteil an der Wertschöpfung, z.B. Maschinenlaufzeiten als Bemessungsgrundlage, wird die Finanzierung nie aufgehen.
Wir würden den Menschen dadurch aber eine vom System unerwünschte Freiheit geben.
Natürlich muss dieser Ansatz noch genau berechnet werden, aber die Finanzierung durch den Faktor Kapital ist möglich und macht Sinn.

Eberhard Stopp hat gesagt…

Da ist Anonym zu zustimmen! Der Faktor Kapital sollte in der Rentenbeitragszahlung eine Rolle spielen, denk ich auch.
" Wir würden den Menschen dadurch aber eine vom System unerwünschte Freiheit geben. " Eben ! Und genau das ist nicht gewollt! Die Privatisierung ist das Ziel, womit wir wieder beim Faktor Kapitals sind. Nur haben Versicherungsnehmer bei privaten Renten-und Lebensversicherungen null Chancen auf Gewinne zu kommen (siehe VAG § 314, VVG § 163), nach Streuern, nach Abzug Grundsicherung, nach Abzug Inflation, was sicher genau so gewollt ist. E. Stopp

Anonym hat gesagt…

Nachwuch droht Gehalt auf Hartz-4-Niveau

Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern

http://www.stern.de/wirtschaft/geld/mckinsey-studie--die-jungen-werden-aermer-als-ihre-eltern-6971346.html

oder auch ganz lecker: Verarmung als Megatrend - siehe auch: https://www.berlinjournal.biz/verarmung-kinder-aermer-als-eltern/

Laut Politik müsse man sich "integrieren" (nach Definition der Politik was das denn angeblich sei). Dazu braucht es in der heutigen Zeit üppige Geldmittel, die die meisten Leute, die angeblich "nicht integriert" sind (auch sehr viele Deutsche).

Auf einen Zusammenhang stieß die britische Soziologin Marii Peskow in der European Social Survey (ESS): Demnach sei die Bereitschaft zur Wohltätigkeit in egalitären Gesellschaften deutlich schwächer ausgeprägt, als in solchen mit großen Einkommensunterschieden. Die Erklärung dafür liege im sozialen Statusgewinn, den Wohlhabende in ungleichen Gesellschaften erfahren würden, wenn sie Schwächere unterstützten. In egalitären Gesellschaften herrsche hingegen das Bewusstsein vor, dass dank des Sozialstaats für die Schwachen schon gesorgt sei.

Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden.

Nein, stopp: Nur die armen Arbeitslosen fallen in die Schublade »Ballastexistenz«. Millionenerben, Banker- und Industriellenkinder dürfen durchaus lebenslang arbeitslos und faul sein. Sie dürfen andere kommandieren, während sie sich den Bauch auf ihrer Jacht sonnen.

Früher glaubten viele Menschen an einen Gott. Wie viele heute noch glauben, da oben säße einer, der alles lenke, weiß ich nicht. Das ist auch egal. Gottes ersten Platz hat im modernen Industriezeitalter längst ein anderer eingenommen: Der »heilige Markt«. Der Finanzmarkt. Der Immobilienmarkt. Der Energiemarkt. Der Nahrungsmittelmarkt. Und der Arbeitsmarkt.

Der Arbeitsmarkt ist, wie der Name schon sagt, zum Vermarkten von Arbeitskraft da. Wer kein Geld und keinen oder nur sehr wenig Besitz hat, verkauft sie. Die Eigentümer der Konzerne konsumieren sie, um daran zu verdienen. Das geht ganz einfach: Sie schöpfen den Mehrwert ab. Sprich: Der Arbeiter bekommt nur einen Teil seiner Arbeit bezahlt. Den Rest verrichtet er für den Gewinn des Unternehmers.

Arbeit verkaufen, Arbeit konsumieren: So geschieht es seit Beginn der industriellen Revolution. Denn Sklaverei und Leibeigenschaft wurden ja, zumindest auf dem Papier, abgeschafft.

Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem Über-Ich zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zur Wort gekommen. (VIKTOR FRANKL)

Die Todsünde der Intellektuellen ist nicht die Ausarbeitung von Ideen, wie fehlgeleitet sie auch sein mögen, sondern das Verlangen, diese Ideen anderen aufzuzwingen (Paul Johnson)

Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden, in lockende Gestalt... (Shakespeare)

Das Heimweh nach der Barbarei ist das letzte Wort einer jeden Zivilisation (Cioran)

Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher (Voltaire)

Die Gefahr ist, dass die Demokratie zur Sicherung der Gerechtigkeit für diese selbst gehalten wird (Frankl)

Absolute Macht vergiftet Despoten, Monarchen und Demokraten gleichermaßen (John Adams)

Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer (Schopenhauer)

Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen (Kant)

Denn mancher hat, aus Furcht zu irren, sich verirrt (Lessing)

Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus... (Goethe)

Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen (Hölderlin)

So viele Gefühle für die Menschheit, dass keines mehr bleibt für den Menschen (H. Kasper)

"Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden" (Helmut Schmidt)

Gardinenverkäufer hat gesagt…

Die "Vorredner" beschreiben die Situation nicht nur, sondern sie "kristallisieren" sie sogar.

Der Physikwissenschaftler Stephen Hawking, hätte vielleicht die passende physikalische oder mathematische Formel zu dem Problem - oder andersherum: Es scheint Gruppierungen in unserem Staat zu geben, die alles Erdenkliche daran setzen, die bisherige funktionierende soziale Rechtsordnung aus dem Gleichgewicht bringen zu wollen.

Hier hilft alles jammern nichts - es muss "in die Hände gespuckt und angepackt werden" - sprich diejenigen, die unseren Bundeshaushalt aufstellen und verwalten, sprich die Herren der Einnahmen und Ausgaben sind, muss auf die Finger geschaut werden - wenn notwendig auch mit einem HOlzkochlöffel...

Der gesamte Bundeshaushalt gehört auf den Prüfstand - und nicht nur auf Fehler, sondern auf noch ganz andere Dinge hin durchleuchtet.

Es müssen Fragen gestellt werden, warum Steuern bzw. Sozialversicherungsababen nicht mehr eingenommen werden (lt. den Medien sprudeln ja die Steuerquellen - der Bundeshaushalt erklimmt aber immer neue Rekordhöhen)?

Wo gibt es sinnlose Strukturen in unserem Staat? Wo wandert das ganze Geld hin? und warum wird dagegen nichts unternommen?

RDA hat gesagt…

@Anonym: Die Sozialversicherung kann aller demographischen Unkenrufe zum Trotz weiter aus Lohnbeiträgen finanziert werden. (Private Vorsorge ist nichts anderes - auch mein Riesterbeitrag wird aus meinem Lohn finanziert, allerdings ist damit schlicht die paritätische Finanzierung zulasten der Arbeitnehmer aufgehoben worden). Es muss nur sichergestellt werden, dass die Lohnsteigerungen zukünftig in Höhe des Arbeitsproduktivitätsfortschritts zzgl. der Zielinflationsrate erfolgen.

Allerdings ist eine Finanzierung per Wertschöpfungsabgabe tatsächlich vorteilhaft, weil sie die Unterschiede von Kapital- und Arbeitsintensität einbezieht. Bezieht man die Einfuhr-Umsatzsteuer mit ein und deckelt die Wertschöpfungsabgabe für stark kapitalintensive Branchen (z.B. Infrastrukturnetzbetreiber), dann sind Arbeitsmarkt, Demographie, Kinderzahl etc. irrelevant für unsere Sozialsysteme. Die Renten kann man dann nach dem Lebenseinkommen als Anteil des jeweiligen BIP pro Kopf ausgestalten. Falls das BIP pro Kopf sinken sollte, kann der Staat per Vermögensabgabe zumindest Renten-Nullrunden und Arbeitslosengeld-Nullrunden finanzieren.
Dann wird niemand überfordert.

RDA hat gesagt…

Es ist schon merkwürdig, dass es aus demographischen Gründen angeblich alternativlos ist, alle 10 Jahre das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Es heißt, die Fachkräfte würden länger gebraucht und außerdem müsse die junge Generation vor finanzieller Überlastung geschützt werden. Das klingt erstmal plausibel. Allerdings fragt man sich dann, warum dann nicht auch die Altersgrenzen für Beamte flächendeckend erhöht werden: Nicht in allen Bundesländern gilt die Pension mit 67. Feuerwehrleute, Polizisten und Justizvollzugsbeamte gehen mit 58-62 in Pension. Bei den Post-Nachfolgeunternehmen können Beamte noch bis 31.12.2016 mit 55 in Pension gehen, die so berechnet wird, als ob sie bis 65 gearbeitet hätten (siehe BEDBPStruktG, § 4). Arbeiten dort keine Fachkräfte? Müssen die Steuerzahler nicht vor Überlastung geschützt werden?