Montag, 5. Dezember 2016

Eine bodenlose Frechheit: Die Bundesregierung verramscht hoheitliche Kernaufgaben an eine Unternehmensberatertruppe. Und die kassiert ein fettes Honorar - für Schaumschlägerei

Nein, das geht gar nicht. Das ist eine echte Schweinerei. Erst am 28. Oktober 2016 habe ich diesen Beitrag gepostet: Ran an die mit Steuermitteln gefüllten Futtertröge oder: Wir machen auch Flüchtlinge ... Die Unternehmensberaterrepublik und ein sich verselbständigendes Staatsversagen. Darin wurde die gleichsam krakenhafte Durchdringung des Staates durch Unternehmensberater wie die von McKinsey beschrieben und ihr fortwährendes Eindringen in zentrale, hoheitliche Staatsaufgaben kritisiert. Und dann wird man mit so einer flapsig daherkommenden Überschrift konfrontiert: McKinsey gibt Merkel Abschiebetipps. Als ob es hier um irgendwelche Kochtipps geht oder Ratschläge, die kommende Grillsaison betreffend. Es geht hier zum einen um einen im wahrsten Sinne des Wortes existenzielle Angelegenheit, zum anderen um eine Sache, die den Kernbereich des hoheitlichen Handelns unseres Staates berührt. Selbst wenn eine Abschiebung gerechtfertigt und notwendig ist - sie bleibt immer etwas, das alle daran Beteiligten beschädigt. Das ist nicht wie der Rauswurf aus einer Eckkneipe oder der Ausschluss auf irgendeinem Verein. Und wenn das passieren muss, dann ist der Staat dazu verpflichtet, seine hoheitlichen Rechte als Staat mit seinen Beamten durchzusetzen unter der kritischen Begleitung der anderen Akteuere unseres Rechtssystems. Kann man darüber ernsthaft diskutieren?

Und dann erfahren wir, dass man offensichtlich die Dreistigkeit besitzen kann in den oberen Etagen dieses Landes, eine Truppe gut dotierter Unternehmensberater anzuheuern, um im Auftrag der Bundesregierung für viel Geld Probleme bei Abschiebungen zu analysieren. Nun ist der 14-Punkte-Plan für "konsequentere Rückführung" vorab bekannt geworden. Und nein, das hier habe ich mir nicht ausgedacht: »Die Studie im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) kostete gut 1,8 Millionen Euro.« Ja, richtig gelesen, 1,8 Millionen Euro, aber man muss jetzt ganz tapfer sein, wenn man erfährt, was die Beratungssöldner dafür abgeliefert haben sollen, folgt man der aktuellen Berichterstattung.

Zum Hintergrund: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) höchstpersönlich hatte die "Studie" von McKinsey im Juli auf ihrer Sommer-Pressekonferenz angekündigt. Wobei der Strippenzieher im Hintergrund eindeutig Frank-Jürgen Weise war und immer noch ist, der schon die Bundesagentur für Arbeit mit den Beratertruppen durchzogen hat und in seiner Funktion als BAMF-Leiter auch hier die Scheunentore weit aufgemacht hat, um McKinsey & Co. an die Futtertröge der staatlich finanzierten Aufträge zu lassen. In der in Auftrag gegebenen Analyse sollen die Unternehmensberater die Probleme bei Abschiebungen identifizieren und Verbesserungsvorschläge machen. Die Arbeit sollte noch im August beginnen und bis November fertig sein. Man muss sich an dieser Stelle nur eines klar machen: Wir sprechen über einen Auftrag an eine Firma, die von dem komplexen Feld der Abschiebungen keine, ich betone: absolut keine Ahnung hat. Nicht einmal in molekularen Spurenelementen. Die also nur so vorgehen konnte, wie sie es auch in vielen Unternehmen gemacht hat und macht: Die eigene smarte Truppe reinschicken, alle für relevant gehaltenen Informationen von denen, die da die Arbeit machen, absaugen und daraus dann auf ganz vielen Powerpoint-Folien ein - offensichtlich immer noch vorhandene - "Führungskräfte" und "Entscheidungsträger" schwer beeindruckendes Paket an "Schwachstellenanalysen", "Problemlösungsansätzen" und "Optimierungsvorschlägen" auf den Bürotisch zu legen. Das wären nur Behauptungen? Dann schauen wir uns mal den Output an, über den heute berichtet wird:

In dem bereits zitierten Artikel werden aus dem Entwurf des Abschlussberichts der Unternehmensberatung McKinsey, der der "Welt am Sonntag" vorliegt, folgende Punkte genannt, die sich auf diesen Artikel stützen: So soll das „Rückkehrmanagement 2017“ funktionieren:

"Abschiebungshaft und Ausreisegewahrsam sollten so gestaltet werden, dass sie in der Praxis konsequent anwendbar sind. Dazu sind entsprechende Abschiebungshaft- und Gewahrsamsanstalten einzurichten" - schon mal was von der Rechtsprechung gehört? Und das es die Abschiebeknasts schon mal gegeben hat? Und mit welchen grundrechtlichen Problemen man da konfrontiert wird? Egal, sind ja auch keine Verfassungsrechtler, die smarten Berater, von denen die meisten noch vor kurzem im Hörsaal gesessen haben.

Die Kosten für einen Ausreisepflichtigen betrügen 670 Euro im Monat. "Im Jahr 2017 werden die direkten Gesamtkosten damit bei rund drei Milliarden Euro liegen" - ja Wahnsinn, rechnen können sie, die Berater.

Und jetzt wird es ganz arg kreativ und lösungsorientiert: »Angesichts dieser Kosten sei es ratsam, in die Rückführung und besonders in die freiwillige Rückkehr "zu investieren, um die Dauer ihres Aufenthaltes in Deutschland zu verkürzen".« Da legt man sich nieder. Das wird in einigen Bundesländern, beispielsweise Rheinland-Pfalz, schon seit langem ganz intensiv betrieben. Das ist doch alter Wein in neuen Schläuchen und hat die gleiche Qualität wie etwa eine Empfehlung an die etablierten Parteien, sie sollten doch mehr "zuhören", was das "einfache Volk" so vor sich hin sagt. Wohlfeile Ratschlagslyrik. Denn natürlich ist das so bei den freiwilligen Rückführungen, aber das ist eben auch viel Arbeit im Hintergrund und die klappt in so manchen Fällen schlichtweg nicht.

Aber die Berater machen ja weiter und werden jetzt ganz konkret: »McKinsey schlägt vor an, ein finanzielles Anreizsystems mit höheren Fördersätzen zu schaffen, um die Zahl "freiwilliger Rückkehrer" zu erhöhen.« Auch das wird schon praktiziert (und wenn dann darüber berichtet wird, gibt es auch viele Kritiker, die nicht einsehen wollen, dass man denen, die raus müssen, auch noch Geld gibt). Und was ist das für eine Empfehlung - natürlich könnte ich die Quote der "Freiwilligen" noch ein wenig höher bekommen, wenn ich denen das Doppelte, das Dreifache oder das x-beliebige an Rückkehrprämie in Aussicht stellen kann. Die Berater sind fein raus, sie sprechen ja "nur" von einem "finanziellen Anreizsystem mit höheren Fördersätzen" und machen sich nicht die Hände schmutzig mit konkreten Euro-Beträgen, mit denen sich unser Land faktisch freikaufen soll.

Und diese tollen Vorschläge dienen ja einer bekannt-guten Sache, also dem Kosten reduzieren: »Die Kosten einer Rückführung durch die Polizei betragen demnach 1500 Euro im Schnitt, bei einer freiwilligen Rückreise 700 Euro.« Dass Abschiebungen unter Beteiligung der Bundespolizei, im Flieger, möglicherweise mit "Komplikationen" auf Seiten der Abzuschiebenden teurer sind, als wenn die sich selbst auf dem Weg nach Hause machen, dazu muss man doch nicht ernsthaft irgendeine Untersuchung machen. Das hat die gleiche Qualität wie die Aussage, dass es im Winter kälter ist als im Sommer.

Und auch bei dem hier fragt man sich: Braucht man dafür eindeutig überbezahlte Unternehmensberater, um solche Erkenntnisse ans Tageslicht zu bringen? »Zwischen der Ausreisepflicht und der Ausreise "liegen bei vollzogenen Rückführungen durchschnittlich zwölf Monate, in manchen Fällen sogar rund 4,5 Jahre". Nach Verurteilungen wegen einer Straftat benötige man im Schnitt 20 Monate für eine Ausweisung.«

Also bisher hatte das, was man so erfährt, wirklich den Charakter einer Seminararbeit hoffnungsloser Fälle. Aber dann werden sie Meckies doch noch richtig sozialpolitisch radikal und lassen die Sau raus:
»Zudem schlägt McKinsey schärfere Regeln für in Deutschland Geduldete vor, die drei von vier Ausreisepflichtigen stellen. Die Behörden sollten künftig nicht mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Geldzahlungen in Höhe von 135 Euro pro Monat ausgeben.
Geduldete Ausländer, die etwa krank sind oder keine Passpapiere vorlegen, sollen demnach für Essen oder Kleidung statt Geld nur noch Sachleistungen erhalten. Die "finanzielle Flexibilität" könne so "verringert" werden. Zudem empfiehlt McKinsey, denen Leistungen zu kürzen, die zur Klärung ihrer Identität oder zur Beschaffung von Passersatzdokumenten nicht beitrügen.«
Wollte man sie vielleicht wegen solcher "Empfehlungen" haben, die man selbst schon längst im Kopf hat - analog der oftmals beschriebenen und von vielen auch erlebten Funktion, dass Unternehmen die Beratertruppen holen, damit die einen Stellenabbau von 40 Prozent ausrechnen, den man vollziehen müsse und natürlich auch könne, weil man überall Speck angesetzt habe, am Ende dann aber entschieden wird, man habe sich gegen den von den Beratern "geforderten Kahlschlag" maximal gewehrt und es geschafft, den Stellenabbau auf 20 Prozent zu begrenzen? Man steht dann sogar noch als Retter von Arbeitsplätzen im Scheinwerferlicht, so lange das Publikum nicht merkt, dass man Zeuge einer ausgewachsenen Schmierenkomödie geworden ist.

Dankenswerterweise gibt es aber auch schon Stimmen, die an dem Wahnsinn zweifeln. In dem Artikel wird beispielsweise der (Noch-)CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach zitiert, es stelle sich die Frage, "warum man für so viel Geld externen Sachverstand einkauft, der auch in Bundesbehörden und Ministerien zweifellos vorhanden ist". Und ja, die Liste, das kann hier ohne falsche Bescheidenheit gesagt werden, hätte man in einer Brainstorming-Sitzung an einem Tag locker zu Papier bringen können. Es muss in Wirklichkeit um etwas anderes gehen.

Und abschließend noch ein vergleichender Hinweis, der vielleicht verständlich macht, warum man sich gerade dann, wenn man im Feld der nun wirklich komplexen, zugleich aber die Lebenslagen von Millionen Menschen in grundsätzlicher Hinsicht beeinflussender oder gar bestimmender Sozialpolitik unterwegs ist, maßlos aufregen muss über diese Auftragsvergabe: Es wurde eingangs erwähnt, dass die Kosten dieser sogenannten "Studie" mit 1,8 Millionen Euro angegeben werden. Um einen Vergleich herzustellen: Vor kurzem hat sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) nach längerem Drängen der Fachöffentlichkeit dazu durchgerungen, angesichts der mittlerweile völlig ausgedünnten Sozialpolitikforschung und der an den Hochschulen vor dem Ausbluten stehenden eigenständigen Sozialpolitiklehre ein Förderprogramm einzurichten mit hehren Absichten und Zielen, wie es einem Bundessozialministerium auch zustehen sollte:
»Mit dem Aufbau des Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) will das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Beitrag zur Stärkung von Forschung und Lehre im Bereich der Sozialpolitik an deutschen Hochschulen (Universitäten und Fachhochschulen) leisten ... Zentrales Anliegen ist die Forschungsförderung mittels verschiedener, zeitlich begrenzter Fördervarianten (etwa Professuren, Projekte, Nachwuchsgruppen).« Diese und weitere Informationen findet man auf der Website zum Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS).
So wird einem das präsentiert. Das hört sich gewaltig an, relativiert sich aber, wenn man weiß, wie viel Geld für die Umsetzung dieses ambitioniert daherkommenden Unterfangens zur Verfügung gestellt wird. Das FIS startet mit einem Betrag, der nur geringfügig höher ist als das, was die Beratertruppe für diese bodenlose Frechheit namens Studie einsacken kann (vgl. dazu auch den Artikel Der Sozialstaat, das unbekannte Wesen von Thomas Thiel, der darauf hinweist, dass in einem Brandbrief von noch verbliebenen Sozialpolitik-Experten jährlich dreißig bis fünfzig Millionen Euro für fünf große Forschungszentren, zwanzig langfristig dotierte Stiftungslehrstühle und ein Förderprogramm für die universitäre Grundlagenforschung gefordert wurden. Das Arbeitsministerium hat reagiert und wird die Sozialstaatsforschung von 2017 an mit jährlich zwei Millionen Euro unterstützen. Das eigentlich adressierte Bundesbildungsministerium ist auf Tauchstation gegangen). Hier stimmen die Relationen wieder einmal vorne und hinten nicht. Ein gesellschaftspolitisch wichtiges Unterfangen wird unterhalb der Wasseroberfläche gehalten (so lange es noch genügend Leute gibt, die sichtbar zappeln) und die anderen bekommen wieder mal einen Logenplatz mit allen Annehmlichkeiten, die damit verbunden sind. Sinnvoll ist das alles nicht. Nicht die Spur.

Kommentare:

Rainer Kühne hat gesagt…

Es ist - wenn man es nüchtern betrachtet, ohne diese ohnmächtige Wut im Bauch - doch eigentlich eine konsequente Verfolgung, kommerziellen Nutzen aus Steuermitteln denen zuzuschanzen, die schon aus diversen Töpfen genährt werden. Erstaunlich ist auch die Ineffizienz der Ministerial-Bürokratie, die wohl meint, Anwesenheit alleine sei schon die Erfüllung ihres Daseins: Arbeit braucht nicht sein, denn ein BEAMTER arbeitet nicht ! , ...... aus Glaubensgründen, dies würde diametral seine WÜRDE angreifen. Und es sind immer die gleichen Ressorts, die weder ihre originären Aufgabenfelder noch neu zu bewältigende Problemlösungen durch Eigenanstrengungen auch nur annäherungsweise in Konzepte überzuführen versuchen. Diese scheinbar grenzenlose Veruntreuung von Steuergeldern ist einer Narrenfreiheit zu verdanken, die die Administrationen der Ära MERKEL in besonderer Schattierung auszeichnet. Zwingend entsteht der Eindruck, dass sowohl der Nutznießer >>> überwiegend und schwerwiegend KINSEY, als auch der STAAT als Nachfrager in einem Sumpf des GEBENS und NEHMENS zu versinken drohen. Wenn schon nicht die Erwartungen an eine eigene Arbeitsmethodik unserer Verwaltung genug Dynamik provoziert, dann sollten doch die Möglichkeiten der Kontrolle hier Einhalt gebieten können, bevor wieder einmal BundesRechnungsHof oder auch Staats-Anwaltschaften - schwerfällig, wie sie sind und auch nicht willig - aus Gründen einer minimalen STAATSHYGIENE tätig werden müssen.
Abschließend möchte ich es deutlich formulieren:
Mit gekonnter Raffinesse beweist die BEAMTENSCHAFT immer wieder, wer die OBERHAND in einem OBRIGKEITSSTAAT behält - die RICHTERSCHAFT nicht zu vergessen !
Warum dies so ist ? Es ist in den Schonräumen des GRUNDGESETZES ein-gebettet, dieses HERRSCHAFTSSYSTEM, das mit DEMOKRATISCHEN Überzeugungsgrundfragen nicht im Mindesten deckungsgleich zu kon-struieren wäre. DAS wäre zwar nicht ALLES, aber es reicht, auch mir !!

Anonym hat gesagt…

Und der Haifisch,der hat Zähne
und die trägt er im Gesicht
und Mcheath, der hat ein Messer,
doch das Messer sieht man nicht.

Und es sind des Haifischs Flossen
rot, wenn dieser Blut vergiesst.
Mackie Messer trägt nen Handschuh,
drauf man keine Untat liest.

Bertholt Brecht, aus der Moritat von Mackie Messer

Anonym hat gesagt…

Hätte man als "einfacher Bürger" solche Vorschläge gemacht, wäre man sofort in der rechten Ecke gelandet oder gleich als Nazi bezeichnet worden.
So einfach möchte ich auch gern mein Geld verdienen.

Gardinenverkäufer hat gesagt…

Schade um das Blog - Wir haben in Deutschland keinen "Obrigkeitsstaat" und auch keine "Richter- bzw. Beamtenschaft". das ist billige Hetze und Polemik Hr. Kühne....

Wie so oft, geht es um Fehler und Lücken in einem (politischen) System - in dem -Zitat taz:"die Mär" umging, der Staat sei fett und träge. Die Wirtschaft macht es besser. Diese Meinung wurde dazu benutzt, um ein Dickicht von Interessenverflechtungen aufzubauen und zu legitimieren. So entstand in Deutschland eine Beratungsfirma, an der sich der Staat beteiligt und zugleich Großbanken, Baukonzerne und Berater: die "ÖPP Deutschland AG".

Die "grandiose" Ursprungsidee Zur "ÖPP" stammt von der Unternehmensberatung McKinsey, einem Konglomerat von Banken und britischen Topjuristen.

Nach Recherchen verfestigt sich der Verdacht, dass es hier vor allem um eins geht: Bereicherung.

Kurze Zeit später schon hob das Bundesfinanzministerium (BMF) die "ÖPP Deutschland AG" aus der Taufe. Die Firma entsprach fast exakt derjenigen, die von Banken und Beratern gewünscht worden war.

Ein Trojaner im eigenen Staat...

Die Vergabe (insbeondere von öffentlichen Aufträgen) ist im Grunde genommen an entsprechende Vorschriften gebunden (VOB).

Gardinenverkäufer hat gesagt…

Teil II:

Das aktuelle Beispiel hierfür ist der Berliner Senat - Die umstrittene Auftragsvergabe der Berliner Senatskanzlei an das Unternehmen McKinsey, um einen Masterplan für die Integration von Flüchtlingen zu erstellen, beschäftigt jetzt die Staatsanwaltschaft. Aufgrund einer Strafanzeige, die im April gestellt worden sei, werde ein Anfangsverdacht geprüft, bestätigte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, wer die Anzeige erstattete weiß man nicht.

Dem Vernehmen nach geht es um den Vorwurf der Untreue bzw. Korruption, der sich gegen den Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning richten soll. Sowohl McKinsey als auch deren zeitweiliger Mitarbeiter, der sozialdemokratische Ex-Staatssekretär Lutz Diwell, hatten für den Senat im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbetreuung "pro-bono" (also kostenfrei) gearbeitet, aber auch bezahlte Aufträge erhalten. Im Korruptionsbekämpfungsgesetz des Bundes, in das die Staatsanwälte jetzt wohl hineinschauen müssen, sind die Vergabe öffentlicher Aufträge, aber auch privates Sponsoring gegenüber einer Behörde streng geregelt.

Wie kam der SPD-Mann Lutz Diwell von seiner unentgeltlichen Arbeit für den Senat, die eine üppig dotierte hatte werden sollen, zu einem Honorarauftrag bei McKinsey ausgerechnet in jenem Moment, da auch das Unternehmen nach monatelanger unentgeltlicher Arbeit plötzlich unausgeschrieben einen Honorarauftrag vom Senat erhielt? Müller sagt, er selbst habe damit nichts zu tun, sei aber auch „nicht bei jedem Gespräch dabei“. Das ist eine bemerkenswert lapidare Aussage von jemandem, den Mitarbeiter als Kontrollfreak bezeichnen (quelle: tagesspiegel).

Dabei wurde der Vertrag mit McKinsey in voller Kenntnis des neuen Engagements von Diwell unterzeichnet. Es war der Senatskanzlei also spätestens beim formalen Abschluss des Geschäfts klar, dass ein Teil der 238.000 Euro aus dem Etat für Beraterleistungen direkt an ihren Vertrauten ging. Doch diese Pikanterie verschwieg der Senat auch dann noch dem Parlament, als es explizit nach den Umständen fragte.

Die Kanzlei „Schellenberg Unternehmeranwälte“, bei der auch der frühere SPD-Politiker und zentrale Figur der Senatsaffäre um den McKinsey-Auftrag Lutz Diwell tätig ist, hat mehr öffentliche Aufträge erhalten als bisher bekannt. Die Senatsverwaltung für Finanzen bestätigte, dass die eigentlich auf die Vertretung privater Unternehmen spezialisierte Kanzlei vom landeseigenen Liegenschaftsfonds mit „Expertisen im Grundstücksrecht“ mandatiert ist.

Das Rote Filzhaus ist jetzt ein Fall für den Staatsanwalt.

Rund acht Monate nach der umstrittenen Vergabe eines Beratungsauftrags durch den Senat an die Beraterfirma McKinsey hat die Staatsanwaltschaft Berlin nun ihr Prüfverfahren beendet. Nach B.Z.-Informationen sollen nun offizielle Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen und Senatskanzlei-Chef Björn Böhning (SPD) eingeleitet werden.

Auf Anfrage wollte sich die Staatsanwaltschaft zunächst nicht zu dem Verfahren äußern. Es geht um den Verdacht der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung.

Wie gesagt, die Geschichten sind nicht neu. Schon 2004 erkannte der Autor Rainer Stepan im seinem Buch "Versager in Dreiteiler - Wie Unternehmensberater die Wirtschaft ruinieren" dass diese selbsternannten Halbgötter auch nur mit Wasser kochen.

Anonym hat gesagt…

Ich sehe die "Rückkehrprämien" sehr kritisch:
Die Merkel-Regierung hat deutlich gemacht, dass sie an dem System des ungefilterten Einlassens aller Migranten und nachgelagerter Prüfung der Berechtigung festhalten will. Das heißt, es werden weiterhin alle Ankommenden zunächst hier alimentiert und ggfs dann später zur Rückkehr ins Herkunftsland aufgefordert. Die Rückkehrprämien werden sich -ebenso wie Merkels Selfies mit Flüchtlingen- als Anreiz erweisen, der noch mehr Migranten nach Deutschland führt. Und sogar der nicht Asylsuchende und nicht einwanderungswillige Ausländer kann hier quasi eine "Geldbeschaffungsreise" unternehmen, nur um die Rückkehrprämie einzustreichen. Solange die deutschen Außengrenzen (EU_Außengrenzen reichen da nicht aus) nicht absolut dicht sind gegen Migranten mit geringen Bleiberechts-Aussichten, ist eine Rückkehrprämie kontraproduktiv. Ob die deutschen Steuerzahler wirklich gewillt sind, Geld für jeden beliebigen "Touristen" aus aller Herren Länder zu spendieren, damit er wieder nachhause fährt, steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt...

Rainer Kühne hat gesagt…

Eigentlich trifft mich dieser Vorwurf der Hetze und billigen Polemik doch sehr, hat auch noch niemand behaupten können. Mit meinen 77 Jahren begleite ich das GG seit über 50 Jahren mit dieser GRUNDKRITIK. Und es hat sich gezeigt, dass wir in der Tat genau DIE Folgen haben, die seinerzeit von mir so artikuliert worden sind. Dann lesen Sie mal sehr langsam die entsprechenden Artikel, beschäftigen sich mit der Historie des GG, dann schauen Sie sich die Gesellschaft an, und dann lassen Sie mal alles sacken.
Wenn ALLE dieses GG eher als Aufgabenheft betrachtet hätten - das gilt für die ganze Gesellschaft - dann hätte aus diesem GG durchaus eine Verfassung werden können.
Meine Kritik ist schlüssig und seitenlang erläutert.
Rainer H. Kühne aus Berlin
>>> AG GRUNDGESETZ als GESELLSCHAFTSVERTRAG <<<

Zitat: Gardinenverkäufer hat gesagt…
Schade um das Blog - Wir haben in Deutschland keinen "Obrigkeitsstaat" und auch keine "Richter- bzw. Beamtenschaft". das ist billige Hetze und Polemik Hr. Kühne....