Dienstag, 19. Januar 2016

Als die Rente dynamisch wurde. Vor 60 Jahren wurde der Grundsatzbeschluss für eine der größten Sozialreformen in der Bundesrepublik Deutschland getroffen

Heute vor 60 Jahren wurde im "Sozialkabinett" des Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) ein weitreichender Grundsatzbeschluss über die Neuordnung des Rentensystems gefasst, der zu einer der größten Sozialreformen der Bundesrepublik Deutschland geführt hat und die den Namen "Reform" im Sinne einer Verbesserung des bestehenden wirklich verdient, anders als so vieles, was heutzutage als Reform verbucht wird und oftmals nur Abbau von bestehenden Leistungen ist.


Benjamin Stahl erinnert an den 19.01.1956 in der Zeitschrift "Das Parlament". Er schreibt in seinem Artikel Die Rente wird dynamisch:
"Keine Furcht in Deutschland mehr vor einem Alter in Armut und Not!" Der Leitgedanke von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und seines Sozialkabinetts könnte auch aus dem Jahr 2016 stammen. Formuliert wurde er jedoch Mitte der 1950er Jahre. Vom Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik hatten die Rentner damals nichts: Während Löhne und Wohlstand der arbeitenden Bevölkerung rasant stiegen, waren die Rentner oftmals von Armut bedroht. Um dem entgegenzuwirken, verabschiedete der Fachministerausschuss der Bundesregierung - das sogenannte Sozialkabinett - am 19. Januar 1956 einen Grundsatzbeschluss über die Neuordnung des Rentensystems. Herzstück war die Einführung einer dynamischen Leistungsrente, also die regelmäßige Anpassung der Renten an das Lohnniveau.
Doch unumstritten war die Maßnahme keineswegs. Finanz- und Wirtschaftsministerium sowie Arbeitgeberverbände leisteten hartnäckig Widerstand. Befürchtet wurde eine Inflation und besonders die Arbeitgeber wollten verhindern, dass Arbeitnehmer und Rentner eine "lohnpolitische Interessengemeinschaft" bilden, die wiederum die Gewerkschaften stärken würden. Doch Adenauer setzte sich durch - wenngleich die dynamischen Rente nicht seine Idee war. Am meisten haben wohl die Vorschläge Wilfrid Schreibers, Geschäftsführer des Verbands Katholischer Unternehmer, die Reform beeinflusst: Der sogenannte "Schreiber-Plan" führte 1957 zu einer umlagefinanzierten dynamischen Altersrente.

1 Kommentar:

Eberhard Stopp hat gesagt…

Und eine umlagefinanzierte Rente muss dynamisch sein.
Ziel einer solchen Rentenversicherung muss die Sicherung eins Mindestlebensstandards im Alter sein (und zwar ab 65, nicht ab 74 !!), also eine Mindestrente und eine Höchstrente.
Die Rentenformel bei Blühm war durch dieses Ziel geprägt, in dem diese Höhe der Rente (70 % vom durchschn. Lohn) das Ziel war und der Beitragssatz sich diesen Ziel anpassen, also auch ggf. erhöht werden musste.
Nach Rot-Grün, Agenda 2010, wurde das Ziel neu formuliert:
Stabile Beiträge unterhalb von 22 % zum Nutzen der Arbeitgeber ( Kapitalisten), zum Nachteil der Arbeitnehmer. Heute müssen tausende Rentner einen unwürdiges Bettelverfahren auf Grundsicherung durchlaufen, um diese „ Mindestrente „ zu erhalten! Die kapitalgedeckte private Altersvorsorge wurde schrittweise eingeführt, mit der heutigen Erkenntnis, dass diese nicht funktioniert. Siehe H. Böckler-Stiftung; 14.01.2016 Rente: Deutsche oft deutlich schlechter abgesichert als Österreicher !! eckler.de/110.htm?globalsearch.action=newsearch&globalsearch.view=extended&preloadmessage=true&searchterm=Renten+&excludedwords=&Suche=Suchen&topic=#results
Oder auch Flassbeck –economics !
Und die Privatisierung der Vorsorge ist das Ziel der neoliberalen Politik und das wird zu einer noch mehr verschärften Ungleichheit zwischen Arm und Reich, oder besser Fleißig und Reich führen. Selbst im ARD gibt es Einsichten; 13.01.2016 PlusMinus „ Neustart 2016 - Wie die Krise zur Chance werden könnte „
TTIP .... diese Verträge werden den absoluten Niedergang der europ. Nationalstaaten beschleunigen und dem Ziel, 51. Bundessstaat der USA, immer näher kommen.
Das diese Entwicklung weder Merkel, noch CDU/SPD/Grüne stört, ganz im Gegenteil diese haben diese Politik stets gefördert, sollte das zur Änderung des Wahlverhaltens in D. führen!! 2017 wäre die Chance dazu. Aber dazu geht es noch zu vielen zu Gut!
Alles was mit Sozial....lismus auch nur annähernd zu tun hat, wird von den Bürgern im Westen vermutlich mehrheitlich abgelehnt, ohne es genau zu kennen und so wird das Spiel wohl bis zum bitteren Ende weiter gehen, trotz fast 50 % Nicht-Wähler.
Es sei denn die Bürger wachen endlich auf ! ??

Eberhard Stopp