Freitag, 1. Juli 2016

Die Kita-Qualität steigt, sagen die einen. Aber was macht ihr mit unseren Kindern, fragen die anderen?

Von Stefan Sell
Die Bertelsmann-Stiftung hat sich mit neuen Daten aus dem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssystem" an die Öffentlichkeit gewandt.  Mit diesem Monitoring begleitet die Stiftung seit Jahren die Entwicklung der Kinderbetreuungssysteme in den einzelnen Bundesländern. Die neue Botschaft hört sich verhalten positiv an: Kita-Qualität steigt, aber Unterschiede zwischen den Ländern bleiben enorm, so haben die ihre Meldung überschrieben. »Auf eine Kita-Fachkraft kommen im Durchschnitt weniger Kinder als vor drei Jahren. Bundesweit ist zum 1. März 2015 eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft für durchschnittlich 4,3 ganztags betreute Krippen- oder 9,3 Kindergartenkinder zuständig. Vor drei Jahren kamen auf eine Fachkraft noch 4,8 Krippen- beziehungsweise 9,8 Kindergartenkinder.« Diese zahlenmäßige Verbesserung muss gesehen werden vor dem Hintergrund des enormen Ausbaus der Betreuungsplätze in den zurückliegenden Jahren. Es wird sogleich aber auch Wasser in den aufgetischten Wein gegossen: »Bundesweit ist der Trend zwar positiv, doch in den meisten Bundesländern sind die Personalschlüssel noch immer weit entfernt von einem pädagogisch sinnvollen Wert. Nach den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung sollte sich eine Fachkraft um höchstens 3 unter Dreijährige oder 7,5 Kindergartenkinder kümmern.« Und die Stiftung weist selbst auf ein methodisches Dilemma hin: Die Zahlen über die Betreuungsrelationen - auch wenn sie statistisch stimmen - spiegeln nicht eins zu eins die Realität in den Einrichtungen wider: »Zudem fällt das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag ohnehin ungünstiger aus als der rechnerisch ermittelte Personalschlüssel. Kita-Fachkräfte wenden mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung auf. Auch zunehmend längere Betreuungszeiten sowie längere Öffnungszeiten der Kitas verschlechtern die Betreuungsrelationen, wenn diese nicht durch zusätzliches Personal abgedeckt werden können.«

Und die Stiftung verweist auch darauf, dass die Unterschiede bereits zwischen den Bundesländern enorm sind und sich 2015 im Vergleich zu 2012 bei den Personalschlüsseln für die Kindergartenkinder sogar noch vergrößert haben:
»Aktueller Spitzenreiter ist Baden-Württemberg (1 zu 7,3), wohingegen in Mecklenburg-Vorpommern fast doppelt so viele Kindergartenkinder pro Kita-Fachkraft betreut werden (1 zu 14,1).«
Für die ganz kleinen Kinder unter drei Jahren stellt sich bei ebenfalls enormer regionaler Varianz die Entwicklung etwas "besser" dar bei den Personalschlüsseln:
»Im Krippenbereich sind derzeit die Unterschiede zwischen den Personalschlüsseln in den Bundesländern etwas kleiner als 2012. Baden-Württemberg hat auch für die unter Dreijährigen derzeit den bundesweit besten Personalschlüssel (1 zu 3,0). Sachsen ist unter den Bundesländern das Schlusslicht (1 zu 6,4).«
Erneut erkennbar wird ein gewaltiges und nicht zu rechtfertigendes Ost-West-Gefälle: »Eine ostdeutsche Kita-Fachkraft ist für 6,1 Krippenkinder zuständig, eine westdeutsche Fachkraft nur für 3,6 Krippenkinder. Dabei besucht in Ostdeutschland auch ein wesentlich größerer Anteil aller Krippenkinder eine Kita: 46,8 Prozent der unter Dreijährigen. In den westdeutschen Bundesländern sind es trotz des Ausbaus nur 23,6 Prozent.«

Nun hat die Stiftung ja auch konkrete Soll-Werte für die Personalausstattung vorgelegt und deren Realisierung würde natürlich zweierlei bedingen: a) mehr Fachkräfte und b) damit einhergehend mehr Geld als bislang:
»Um die Personalschlüssel auf das von der Bertelsmann Stiftung empfohlene Niveau zu heben, sind bundesweit zusätzlich 107.000 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte erforderlich. Dieses Personal kostet nach Berechnungen der Stiftung jährlich rund 4,8 Milliarden Euro. Verglichen mit den derzeit im Kita-Bereich anfallenden Personalkosten in Höhe von 16,6 Milliarden wäre das ein Anstieg von rund einem Drittel (29 Prozent).«
Wohlgemerkt - das wäre das eigentlich zusätzlich erforderliche Personal, um die aus fachlicher Sicht anzustrebende Personalausstattung im gegebenen System erreichen zu können. Wenn man - wie immer wieder sehr gerne aus den Reihen der Wirtschaft - eine weitere Expansion der "Dienstleistung" Kinderbetreuung einfordert, also (noch) längere Öffnungszeiten oder individuelle Betreuungsarrangements für Abend-, Nacht- und Wochenendstunden, dann reden wir über ganz andere Größenordnungen an zusätzlichem Personal.
Das wir gerade bei diesem Thema ganz offensichtlich von unterschiedlichen Welten ausgehen müssen, kann man beispielhaft an diesem Bericht verdeutlichen: Neuer Service für Eltern: Kita-Erzieherin kommt nach Hause, so ein Artikel aus der Berliner Morgenpost. Viele Menschen, die in Berlin leben und die Realität der "Standardversorgung" im Kita-Bereich mit ihren vielgestaltigen Problemen kennen, werden sich verwundert die Augen reiben, wenn sie lesen: »Für berufstätige Eltern soll es ab dem Sommer in Berlin eine neue Dienstleistung geben. Wer nachts, spätabends oder am frühen Morgen außerhalb der regulären Kita-Öffnungszeiten arbeiten muss und niemanden hat, der auf die Kinder aufpasst, kann künftig mit seinem Kita-Gutschein auch Betreuungskräfte nach Hause bestellen. Die Senatsjugendverwaltung hat die Leistung einer Servicestelle ausgeschrieben, die das Angebot koordinieren und Kontakte zwischen Firmen, Eltern und Betreuern vermitteln soll. Gedacht ist die Hilfe vor allem für Alleinerziehende. Aber auch berufstätige Paare können grundsätzlich den Dienst in Anspruch nehmen, der ebenso gratis ist wie die Berliner Kita. Bisher sind solche raren Services entweder teuer, nachts nicht verfügbar oder die Kinder müssen zur Tagesmutter.« Man darf gespannt sein, wie dieser Ansatz verwirklicht werden kann, wenn selbst für normale Kitas Personal vorne und hinten fehlt. Vgl. dazu nur als ein Beispiel den Beitrag Der real existierende Fachkräftemangel lässt sich hier besichtigen: Personalmangel in vielen Kindertageseinrichtungen schon unter den herrschenden Bedingungen vom 23. Januar 2016. Der "neue" Vorstoß in Berlin erinnert einen fatal an den Mechanismus der Aktivitätssimulation, dessen Funktion vor allem im Ankündigen besteht, weniger oder gar nicht in der Umsetzung. Dazu aus dem vergangenen Jahr der Beitrag Kommen jetzt die 24-Stunden-Kita-Kombinate? Über ein gar nicht so neues Ferkel, das durchs Sommer-Dorf getrieben wird vom 5. Juli 2015.
Und parallel zu der Vorstellung der neuen Daten der Bertelsmann-Stiftung wird man dann mit so was konfrontiert: »Kitas sollen die Jüngsten behüten. Doch mehr als 2.000 Erfahrungsberichte zeigen: Mancherorts herrschen schlimme Zustände. Bund und Länder aber schauen weg«, behaupten Kai Biermann, Philip Faigle, Astrid Geisler, Karsten Polke-Majewski, Tilman Steffen und Sascha Tenor in ihrem Artikel Was macht ihr da mit unseren Kindern?

ZEIT ONLINE hat seine Leser Anfang Mai gefragt, ob sie Missstände in ihrer Kindertagesstätte beobachtet haben. Etwa 2.000 Eltern und 260 Kita-Mitarbeiter haben geantwortet. Wissenschaftler, Behördenmitarbeiter und Berufsaussteiger berichteten aus dem Inneren der Brombranche. Ein Reporterteam ist Dutzenden Erfahrungsberichten nachgegangen. Die teilweise nur erschreckend zu nennenden Ergebnisse kann man in dem Artikel nachlesen.

Die Autoren verweisen aber auch auf eine strukturelle Dimension des offensichtlichen Mangels, etwas gegen diese beklagenswerten Entwicklungen zu tun:
»Überall im Land sehen Kitaleiterinnen, Erzieherinnen und Eltern dramatische Missstände. Doch niemand hilft ihnen. Ob Kitaträger oder Ämter, viel zu viele schauen weg. Und im Bund boykottieren die zuständigen Ministerpräsidenten aller Parteien überfällige Mindeststandards, die Kleinkinder schützen würden.«
Der angesprochene Boykott der Ministerpräsidenten erinnert den einen oder anderen an ein Thema, das auch hier schon mehrfach aufgerufen wurde - die Forderung nach einem Bundesqualitätsgesetz für den Bereich der Kindertagesbetreuung. Das nun ist nicht wirklich neu und ohne jemanden gleich frustrieren zu wollen verweise ich hier nur auf meinen Beitrag vom 29. Oktober 2014: Die Hoffnung stirbt zuletzt und wenn, dann in der nächsten Legislaturperiode. (Zwei) Wohlfahrtsverbände und die Gewerkschaft GEW fordern ein "Bundesqualitätsgesetz" für die Kindertagesbetreuung.

In dem ZEIT ONLINE-Artikel wird der Boykott durch die Ministerpräsidenten nicht nur behauptet, sondern auch belegt:
»Alle Länderchefs sind sich einig, "dass es keiner bundesweiten Standards bedarf". Ihr Beschluss, von dem niemand erfahren soll, fällt am 11. Dezember 2014 im Bundeskanzleramt. Angela Merkel hat die Ministerpräsidenten der Bundesländer in ihren Amtssitz gebeten. Die Runde geht bereits dem Ende zu, als der drittletzte Tagesordnungspunkt aufgerufen wird: Kittqualität ... Auch anderthalb Jahre später kennen nur Eingeweihte den Wortlaut dieses Beschlusses, der ZEIT ONLINE vorliegt. Er gilt als nicht öffentlich ... Mit dem, was die 16 Ministerpräsidenten an diesem Wintertag im Kanzleramt entsorgen, brechen sie ein Versprechen. Es lautete: Erst bauen wir im großen Stil neue Kindergartenplätze, dann wird deren Qualität verbessert. Aber die Länder sagen den zweiten Schritt ab.«
Und wenn das Protokoll der Zeitung vorliegt, dann kann die das ja auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Genau das ist passiert und das Resultat findet man hier: Ministerpräsidenten wollen keine einheitlichen Standards. Es handelt sich um die wörtliche Abschrift des Sitzungsprotokolls einer Besprechung, die am 11. Dezember 2014 im Internationalen Konferenzsaal des Bundeskanzleramts stattgefunden hat. Entscheidend ist die Formulierung unter Punkt 3 des Beschlusses: Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten seien sich »einig, dass es keiner bundesweiten Standards bedarf.« Punkt und Ende der Debatte.

Deshalb wird da auch nichts kommen.

Es sei denn, die Betroffenen machen enormen Druck und zwingen die Politik, sich zu bewegen.

Aber selbst dann, also wenn wir hypothetisch davon ausgehen, dass ein Bundesqualitätsgesetz - für das beispielsweise Gewerkschaften wie die GEW unermüdlich kämpfen (vgl. dazu GEW: „Bund muss jetzt handeln – Kita-Qualitätsgesetz notwendig!“ vom 29.06.2016) - auf den Weg gebracht werden würde, müsste man sich an die nackten Zahlen der Bertelsmann-Stiftung erinnern. Denn wenn man so große Unterschiede schon auf der Ebene der Bundesländer hat, was die Personalausstattung angeht, dann stellt sich natürlich die Frage, was denn ein Bundesqualitätsgesetz für Standards vorgeben soll. Sollen es Mindest-, Durchschnitts- oder Maximalstandards sein?
Diese systematische Frage ist nicht trivial, sondern berührt natürlich ein Kardinalproblem angesichts der enormen Varianz der gegebenen Personalausstattung.
Denn Mindeststandards im Sinne von Personalrelationen, die man nicht unterschreiten darf (gleichsam wie der gesetzliche Mindestlohn als Lohnuntergrenze) haben natürlich die Folge, dass mit ihnen - wenn überhaupt - nur verhindert werden kann, dass die Personalausstattung so schlecht ist, das beispielsweise das Kindeswohl erwartbar gefährdet wird oder werden könnte. Das kann aber hoch problematische Effekte haben im Sinne einer Orientierung der realen Personalausstattung nach unten.
Auch bei Durchschnittsstandards stellt sich das Problem, dass die Bundesländer, die heute schon höhere Standards haben, "zu viel" Personal an Bord hätten, was natürlich angesichts des Haushaltsdrucks in den Ländern und Kommunen gewisse Anreize setzen könnte/wird.
Bleiben Maximalstandards, de man als (anzustrebende) Zielgrößen in so ein Gesetz einbauen könnte. Eine "milde" Variante wäre, dass man die heutigen Spitzenreiter der Personalausstattung bei den Bundesländern als Referenzgröße heranzieht. Konsequenter wäre natürlich die Bezugnahme auf die Werte, die aus der fachwissenschaftlichen Diskussion als anzustrebende Werte abgeleitet worden sind, auch die Bertelsmann-Stiftung bezieht sich ja auf solche Relationen. Dann hätten auch die Bundesländer, die heute an der Spitze stehen, weiteren Personalbedarf. Aber die Lücke zwischen dem Ist und dem Soll wäre in den östlichen Bundesländern natürlich massiv und man kann sich vorstellen, dass das - unabhängig von der Frage, woher das zusätzliche Personal kommen soll - bei allen Bundesländern auf den größten Widerstand stoßen würde.
Auf der anderen Seite könnte alle unter Maximalstandards liegende Werte höchst problematische negative Anreize bei einem Teil der Bundesländer auslösen, die zu einer partiellen Verschlechterung führen könnten.
Das alles muss genau bedacht und konzeptualisiert werden für ein - wie ausgeführt: leider derzeit unrealistisches - Bundesqualitätsgesetz. Und dann muss das noch durch ein intelligentes Finanzierungssystem hinterlegt werden.
Auch wenn man sich etwas ganz anderes wünschen würde - auf diese Entwicklung zu hoffen, wird mit vielen Enttäuschungen garniert sein.

Was bleibt ist ein sicher unbefriedigendes Unterfangen: Man sollte die Berichte über offensichtliche oder vermeintliche Missstände in der Realität der Kindertagesbetreuung, wie sie aktuell beispielsweise in dem angesprochenen ZEIT ONLINE-Artikel an die Öffentlichkeit getragen werden, aufgreifen und die Politik zwingen, eine Antwort zu liefern auf die Frage: Wie verhindert ihr solche Zustände? Wie können sich die Eltern darauf verlassen, dass ihre Kinder nicht Schaden nehmen? Es geht hier nicht um das Plädoyer für den Aufbau einer wie auch immer gearteten Betreungsqualitätsbürokratie, aber die Frage ist natürlich "vergiftet", denn würde man den schlechten Zuständen nachgehen, dann würde sich zeigen, dass eben nicht nur individuelles Fehlverhalten Schuld ist, sondern oftmals strukturelle Missstände wie zu wenig Personal benannt werden müssen.

Foto: © Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Kommentare:

Eberhard Stopp hat gesagt…

Zitat : »Überall im Land sehen Kitaleiterinnen, Erzieherinnen und Eltern dramatische Missstände. Doch niemand hilft ihnen. Ob Kitaträger oder Ämter, viel zu viele schauen weg. Und im Bund boykottieren die zuständigen Ministerpräsidenten aller Parteien überfällige Mindeststandards, die Kleinkinder schützen würden.« Zitat Ende
Genau so ist es Diesen Satz kann ich sowohl aus privater Sicht, also auch als Sicht eines Stadtrates nur bestätigen. In Sachsen treibt seit 25 Jahren die CDU ihr Unwesen, Zitat:
Frei Presse 29.06.2016:Sachsen bei Personalschlüssel in Krippen bundesweit Schlusslicht !!!!! Privatisierung private Träger, Lohn einfrieren, Hausmeister, techn. Dienste abschaffen und fragwürdige Erziehungskonzepte, die sehr unterschiedlich ausgelegt werden.
Die von oben gewollte Erziehung heisst, Leistung, unterordnen, durchsetzen, ...die Kinder sollen zum Untertanenleben vorbereitet werden. Solidarität, Rücksicht, miteinander ...sind nicht erwünscht. Obwohl es hier auch Leiter / Mitarbeiter gibt, die sich diesen Vorgaben nicht beugen. Das kennzeichnet die aktuelle Politik, wie man Kinder, Familien, Mütter, und die Pädagogen behandelt, dies durch Bezahlung und Einsparungen immer mehr der Sparpolitik opfert, das darf niemals akzeptiert werden. Die Kinder sind unsere Zukunft.
Sie sollen lernen, was fürs leben wichtig ist, aber dabei auch und vor allem Kind bleiben dürfen ! Die lachen, die spielen, die Dummheiten machen, die kreativ sind und be-greifen ....!!
In Sachsen versucht man ganz geschickt, die Erzieher durch unbezahlte Praktikanten zu ersetzen. Es werden Minus-Stunden aufgelistet....! Aber auch das ist nir ein Mosaikstein der neoliberalen Politik der CDU, unter Hilfe der SPD, Grünen, nun auch AfD! Ich bezweifele das wählen etwas bringen, man könnte es aber 2017 noch versuchen, in dem man CDU, SPD, FDP, AFD,CSU, NPD; nicht wählt. Wer bleibt da noch übrig? Zum Bsp. die Grundgesetz-Partei, aber auch andere...werden kommen.
Wenn es der Deutsche nur mal begreifen würde, dass er mit CDU und SPD unter dem Motto wählt: Nur die Dümmsten Kälber . wählen Ihre Schlächter selber.
Eberhard Stopp

Stefan Sell hat gesagt…

In dem Blog-Beitrag wurde es nur angesprochen - natürlich stellt sich auch im Bereich der Kindertageseinrichtungen die Frage, ob und wie man die "Qualität" der Einrichtungen auch überprüfen kann (und will). Eine aktuelle Anmerkung dazu: In Hamburg wurde bereits 2010 das entsprechende Gesetz geändert, um einen Kita-TÜV einzuführen. Sechs Jahre später gibt es ihn noch immer nicht. Offensichtlich sind die Verhandlungen gescheitert, wenn man diesem Artikel folgt: Kita-TÜV ist gescheitert
Werden die Kinder gut betreut? Ist ausreichend geschultes Personal da? Stimmt die Hygiene und auch der Umgang mit den Eltern? Diese und viele andere Qualitäts-Merkmale von Kitas sollten in Hamburg regelmäßig überprüft werden. Darüber haben Stadt und die Träger verhandelt.
„Es konnte keine Einigung zur Umsetzung und zur Finanzierung der Evaluation erzielt werden“, so der Sprechender Sozialbehörde, Marcel Schweitzer. „Wenn die Behörde uns alle vier Jahre kontrollieren will, dann soll sie das auch bitte bezahlen“, so eine Träger-Leitung, die nicht genannt werden möchte. Es geht dabei um Kosten in Höhe von geschätzt 4.000 Euro.
Das ist ein Argument, das man nachvollziehen kann. Problematischer wird es an dieser Stelle:
»Zudem wollen überraschend etliche Träger überhaupt keine anlassunabhängigen Prüfungen. Sie wollen sich nur in die Karten gucken lassen, wenn es Elternbeschwerden oder Unfälle gibt.
Bei den Verhandlungen zum Kita-TÜV saßen auch die Elternvertreter vom Landeselternausschuss (LEA) dabei. Sie mussten feststellen, dass die Bereitschaft der Kitas zur Transparenz nicht besonders groß ist.«
Und am Ende geht es auch wieder um die Bundesebene:
Um »die Kitas zur TÜV-Teilnahme zu zwingen, ist offenbar auf Bundesebene die Änderung eines Paragrafen im Sozialgesetzbuch (zur „örtlichen Prüfung“ in den Einrichtungen) nötig. „Der entsprechende Referenten-Entwurf ist für Sommer angekündigt“, so Schweitzer.«

Eberhard Stopp hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Sell, zum Kita -Tüv:
Tüv bezüglich technischer Vorgaben (Türen mit Einklemmschutz, weiche Schutzmatten im Garten ..) halte ich für durchaus angebracht und sinnvoll. Kontrollen? Die örtlich zuständigen Kommunen und Stadträte sollten kontrollieren. Es kann und darf aber auch nicht sein, dass auch hier der " Markt", sprich die Kunden bestimmend werden. Denn da gibt es viele Eltern, die Kindesbetreuung nur aus Ihrer Sicht sehen ( zu hause haben 1- 2 Kinder eine Betreuerin -Mutter), aber nicht aus der Sicht der Mitarbeiter, die 5-7 Kinder betreuen müssen! Es muss eine Mischung aus Ordnung, Disziplin, Rücksichtnahme in der Gruppe ( zum Bsp. bei Einnahme von Mahlzeiten sitzen alle am Tisch !) und auch völlig freiem spielen, be-greifen, anbieten (malen, basteln, angreifen, be-greifen, Musik ist ganz wichtig! ) sein. Viele ältere Erzieher ( innen) haben das verstanden, zum Teil aus Erleben auch aus DDR -Zeiten, auch weil sie alle selbst Kinder und Enkelkinder haben oder hatten.
Ganz schlimm und völlig unakzeptabel ist die ständige Rede vom sparen, und das dies nicht finanzierbar wäre, dabei ist in Sachsen die CDU " führend ". Auch hier kann ich nur sagen, wer CDU wählt, der wählt auch Sparprogramm in den Kitas, vor allem personell und qualitativ ( AusBildung).
E. Stopp