Donnerstag, 25. April 2013

Asylbewerber und ihre (Nicht-)Arbeit. Prekäre Emanzipation

Da gibt es Menschen und Gruppen, die nur selten ans Licht der medialen Aufmerksamkeit gelangen. Beispielsweise wenn sie einen Hungerstreik machen oder ihre Unterkunft angezündet wird. Ansonsten bleiben sie unter sich. Und sie dürfen noch nicht einmal unter die anderen, z.B. mit ihnen arbeiten, denn das könnte ja ein Anreiz sein, hierher zu kommen. Wir reden also über Asylbewerber. Vor diesem Hintergrund macht die folgende Meldung dann schon aufmerksam: »Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner will es Asylbewerbern leichter machen, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen - wer herkommt, soll gleich einen Job annehmen dürfen«, berichtet die "taz" unter der Überschrift "Flüchtlinge sollen arbeiten dürfen". Bislang dürfen die Flüchtlinge im ersten Jahr ihres Aufenthalts in Deutschland keinen Job annehmen - so will es das Asylverfahrensgesetz des Bundes. Der Innenminister argumentiert: Asylbewerber mit eigenem Einkommen entlasteten die Sozialkassen der Kommunen. Das ist richtig, aber der Wert einer Arbeit und dies überhaupt zu dürfen geht mal wieder völlig unter.
Dazu passt dann auch der Artikel aus Österreich: "Asylwerber unter 25 Jahren dürfen Lehre machen". Aber auch hier dominiert das ökonomische Prinzip bzw. die sich partiell ausbreitenden Zeiten des Mangels, denn: »Asylwerber unter 25 Jahren dürfen nun eine Lehre machen - nicht von vornherein in jedem Beruf, sondern wenn bei einem Beruf ein "nachgewiesener Lehrlingsmangel" besteht.« Kritikaster würden an dieser Stelle vielleicht von "Lückenfüller"-Funktion sprechen und das österreichische Innenministerium lehnt die Öffnung für die jungen Asylbewerber weiterhin ab - aus Gründen, die sicher auch in Deutschland vorgetragen werden. Aber für die Betroffenen ist jede Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe ein Fortschritt.

Apropos Fortschritt - darunter wird der Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit auch immer subsumiert. Man kann das aber auch nüchterner sehen: »Eine aktuelle Studie der Universität Bremen im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung konstatiert einen Wandel in der Arbeitswelt. Das klassische westdeutsche Ernährermodell mit einem Vater, dessen Einkommen für die ganze Familie reicht, hat ausgedient. Weil die Löhne ihrer Männer massiv unter Druck geraten sind, sind heute auch viele Frauen berufstätig«, so Fabian Lambeck in seinem Artikel "Prekäre Emanzipation". »Doch von einer tatsächlichen Emanzipation der Geschlechter sei man noch weit entfernt, so Dingeldey, die am Bremer Institut für Arbeit und Wirtschaft forscht. Sie spricht stattdessen von einem »modernisierten Ernährermodell«, in dem der Mann voll arbeitet und die Frau in Teilzeit. Tatsächlich sind in Deutschland beinahe 50 Prozent aller Frauen teilzeitbeschäftigt.« Es gibt sogar Hinweise, dass wir es mit einer rückläufigen Entwicklung zu tun haben, denn: »Der Anteil an abhängig beschäftigten Frauen, die wöchentlich 36 bis 39 Stunden arbeiten, habe sich seit 1991 halbiert, heißt es in einer Kurzanalyse des Instituts. Der Grund dafür sei die »die deutliche Zunahme der kurzen und der substanziellen Teilzeitarbeit unter abhängig beschäftigten Frauen«. Das heißt: In den letzten Jahren wurden viele Vollzeit- in Teilzeitstellen umgewandelt.«

Immer der Nachwuchs - vor ein paar Jahren waren einfach "zu viele" junge Menschen da, die beispielsweise einen Ausbildungsplatz gesucht haben und den nicht finden konnten. Weil eben so viele da waren. Und heute sieht es zunehmend anders aus: "Der Wirtschaft gehen die Azubis aus", so eine der vielen Meldungen. »Immer weniger junge Menschen beginnen in Deutschland eine Ausbildung. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts schlossen im vergangen Jahr rund 548 100 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag ab.« Und von solchen Artikeln hätte man vor einigen wenigen Jahren nur geträumt: "Unternehmen geraten in den Azubi-Wettstreit", so  Marcel Malachowski im "manager magazin".

Da schauen wir doch mal schnell an das Ende des Arbeitslebens: »Wann ist man reif für den Ruhestand? Das kommt darauf an, was man vorher gearbeitet hat. Konzepte für berufsspezifische Altersgrenzen stecken in Deutschland bisher in den Kinderschuhen«, so die Diagnose von Eva Völpel in der "taz" in ihrem Beitrag "Die anderen wollen weitermachen".  Sie stellt die Grundsatzfrage:
»Bei vielen meldet sich da der gesunde Menschenverstand zu Wort: Warum sollen Menschen, die länger arbeiten wollen, beispielsweise Akademiker oder Journalisten, das nicht dürfen? Und warum sollen andere, die partout nicht mehr können, nicht früher raus aus dem Beruf - ohne Abschläge bei der Rente?«


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